Warum fliegen manche Vögel im Herbst weg? Henriette erklärt’s dir!
Sobald der Herbst beginnt und die Morgenluft kühler wird, sammeln sich viele Vögel am Himmel. Sie rufen, ordnen sich zu Formationen und starten ihre große Reise. Der Anblick zeigt: Der Herbst ist da – und die Zugvögel brechen auf.
Doch weshalb ziehen manche Arten in den Süden, während andere bleiben? Die Antwort hat vor allem mit Nahrung, Energie und erstaunlichen Orientierungskünsten zu tun.
Wenn die Nahrung knapp wird
Im Winter verschwinden viele Insekten, Würmer ziehen sich in den Boden zurück und Beeren werden seltener. Für insektenfressende Vögel wird die Nahrungssuche dadurch schwierig.
- Einige Arten können ihre Verdauung teilweise umstellen, aber nicht unbegrenzt.
- Schwalben könnten theoretisch Körner fressen, ihr Verdauungssystem ist dafür jedoch nicht ausgelegt.
- Rotkehlchen bleiben häufig hier, wenn sie ausreichend Futterstellen finden. Sie gehören zu den sogenannten Teilziehern.
Fliegen kann Energie sparen
Für manche Vögel ist der Flug in wärmere Regionen sogar günstiger, als einen frostigen Winter zu überstehen. Kleine Arten müssten bei Kälte beinahe ständig Nahrung aufnehmen, während sie im Süden leichter Futter finden.
Einige Zugvögel haben besondere Fähigkeiten entwickelt: Mauersegler können beispielsweise sogar im Flug schlafen.
Der innere Kompass der Vögel
Viele Zugvögel orientieren sich über das Magnetfeld der Erde. Dieser Sinn hilft ihnen, tausende Kilometer zurückzulegen und ihre Route zuverlässig zu finden.
- Das Magnetfeld wird vermutlich als zusätzliche visuelle Orientierung wahrgenommen.
- Der Magnetsinn ist unter anderem an das Sehen und an bestimmte Prozesse im Auge gekoppelt.
- Junge Vögel besitzen wichtige Orientierungsmuster bereits von Anfang an und verfeinern sie durch Erfahrung.
Warum Zugvögel in V-Formation fliegen
Eine V-Formation sieht beeindruckend aus, erfüllt aber vor allem einen praktischen Zweck. Der vorderste Vogel erzeugt Luftwirbel, die den Tieren dahinter Auftrieb geben.
- Die hinteren Vögel benötigen dadurch weniger Kraft.
- Regelmäßige Positionswechsel verteilen die Anstrengung auf die gesamte Gruppe.
- Gemeinsam können die Tiere lange Strecken effizienter bewältigen.
Nicht jede Reise führt nach Süden
Viele Zugvögel fliegen nicht automatisch nach Afrika. Manche Arten ziehen nach Osten, andere bleiben in Regionen mit milden Wintern. Stare gehören beispielsweise häufig zu den Kurzstreckenziehern und erreichen Frankreich oder Spanien.
Mildere Winter verändern die Zugrouten
Inzwischen bleiben manche Vögel häufiger in unseren Regionen, wenn die Winter mild sind und sie genügend Futter finden. Amseln werden deshalb öfter als Standvögel beobachtet, während auch Stare ihre Reise teilweise verkürzen.
Zugvögel zeigen eindrucksvoll, wie anpassungsfähig die Natur ist. Sie ziehen nicht einfach nur vor der Kälte davon, sondern folgen ausgeklügelten Strategien, die ihr Überleben sichern.
